Kate Winslet und die Frage, wann bin ich endlich mehr als meine Kleidergröße

By Christina | Blog

Okt 17

Ich bin ein Fan von Kate Winslet. Sie spielt intensiv und mitreißend. Nach all den Jahren in Hollywood konnte sie jeglicher Künstlichkeit widerstehen, mir gefällt das sehr. Sie ist ein ganz tolles Frauenvorbild, ein Vorbild für Authentizität, Natürlichkeit und weibliche Power.

Umso mehr hat mich ihr Spruch letztens vor den Kopf gestoßen und zum Nachdenken gebracht. Ein Ausschnitt aus ihrem Interview:

Kate findet XS ist keine normale Kleidergröße. „Ehrlich, unter meinen Freunden und Bekannten gibt es keine einzige Frau die XS trägt. Halt, stimmt nicht, meine Tochter Mia trägt XS. Aber der Punkt ist der, sie ist 11 Jahre alt.“

Diese Abwertung trifft mich als XS-Frau nicht wirklich hart. Weil ich eben dem momentanen Ideal entspreche und somit genug Beifall anderweitig bekomme. Aber die Sache ist die – ich dachte, es geht darum, dass wir lernen, JEDEN Körper zu respektieren. Ich dachte, es geht darum, endlich einen anderen Zugang zu der Art und Weise zu bekommen, wie wir Frauen uns wahrnehmen und definieren.

Als eine XS-Frau möchte ich sagen: Mädels, nicht dünne Frauen sind der Feind. Der Feind sind die Medien, der Photoshop und deine eigene Erwartung. Mein Körper hat den gleichen Respekt verdient wie eurer.

Wann dürfen wir endlich mehr sein als unsere Kleidergröße?

Und das ist der Punkt – wann dürfen wir endlich einfach sein und in Ruhe gelassen werden so wie wir sind? Wann werden wir endlich mehr sein dürfen als unsere Kleidergröße? Was Kate macht, ist leider genau das, was sie zu bekämpfen glaubt. Das zu verstehen ist wichtig, wenn sich wirklich etwas ändern soll.

Ich beobachte das immer wieder, dass Frauen versuchen, sich in ihrer Größe wohl zu fühlen, indem sie andere Frauen abwerten. Gerne werden wir XS-Frauen auch Hungerhaken, Knochengestell, Leichtgewicht und wandelndes Gerippe genannt. Und das wie in diesem Fall häufig aus dem Mund von Frauen, die glauben, dass sie damit für Selbstakzeptanz der Frauen eintreten. Darüber muss man nachdenken.

Ich finde, Kate Winslet ist dennoch ein wichtiges Role Model. Ich wünschte mir nur mehr Respekt und Liebe in ihren Worten – nicht damit ich mich damit wohlfühle, sondern um den richtigen Zugang zu dem Thema zu finden. Denn genau darum geht es bei der ganzen Sache eigentlich. Und das ist enorm wichtig zu verstehen. Selbstakzeptanz hast du dann gefunden, wenn du, um dich wohl zu fühlen, den Vergleich mit anderen nicht brauchst. Das ist echte Selbstakzeptanz. Deine Selbstliebe ist dann echt, wenn sie ohne Untergriffe auf andere auskommt. Selbstliebe ist kein trotziges „ich bin schön, egal, was ihr sagt!“. Selbstliebe ist ein weites liebevolles „ich bin schön und du bist schön“. Wer sich selbst liebevoll annehmen kann, kann auch jeden anderen Menschen liebevoll annehmen. Wer mit sich selbst ringt, bekämpft auch andere.

Liebe dich wie du bist, nicht obwohl du du bist.

Ein tief empfundenes „Ja“ zu dir selbst ist immer auch ein „Ja“ zum So-sein der anderen. Wenn du deinen Selbstwert auf der Abwertung von anderen baust, ist er nicht echt. Was Kate macht ist immer noch besser als hungern, um zu entsprechen. Aber es ist noch nicht ganz das Ziel und somit bleibt auch die Belohnung aus. Selbstliebe ist ein stiller Ort tief in dir. Einer, an dem du ein Gefühl findest, das nirgendwo sonst zu haben ist. Und das ist der Lohn.

Ich wünsche mir, dass die Akzeptanz des eigenen Körpers etwas ist, worüber man gar nicht mehr sprechen muss. Es ist gut möglich, dass bald ein anderer Körpertyp gehypt wird, Kim Kardashian und Jennifer Lopez gehen schon mal vor – kurvig und selbstbewusst. Ich fürchte, dass wir das für einen Fortschritt halten werden, einfach weil wir die Direktive zum Hungern schon so satt haben. In Wirklichkeit ist das aber leider der uralte Schmarrn in grün – diesmal soll sich halt ein anderer Frauentyp „falsch“ fühlen.

Ich wünsche mir sehr, dass bei Frauen die Wahrnehmung des eigenen Körpers weg geht von der Frage „Wie sieht er aus?“ hin zu der Frage „Wie fühlt er sich an?“. Ich wünsche mir, dass Frauen sich selbst beobachten, um zu spüren, was ihr Körper ihnen sagt und nicht um besorgt zu verfolgen, wie er aussieht.

Schau dir selbst gut auf die Finger, um Selbstliebe nicht mit Trotz zu verwechseln. Wie sieht deine Selbstliebe aus? Geht sie nach außen oder nach innen? Basiert sie auf einem liebevollen Dialog mit deinem Körper, seid ihr gute Partner? Oder machst du das wie Kate und erzählst vor allem anderen, dass du ihn magst, während deine sogenannte Selbstliebe eher eine trotzige Resignation ist?

Wir können nicht alle XS sein. Wir können nicht alle Kate Winslet sein. Und das ist gut so. Wir sind eine bunte Wiese und es ist traurig, wenn eine Mohnblume andauernd versucht, wie eine Malve auszusehen. Nur in unserer Vielfalt sind wir eine schöne Welt. Frauen sind schön in dem, was durch sie zum Ausdruck kommt. Wenn sie sich ihre Authentizität nicht erlauben, bremsen sie ihren ureigenen Ausdruck. Lebe dein So-sein und spüre, wie du gemeint bist. Denn wenn deine Beziehung zu dir selbst voller Stress ist, wie willst du dem Leben kraftvoll begegnen?

Und um mein Gerippe nun ins richtige Licht zu rücken, hier ist das Foto, auf das es eigentlich gehört. Denn Lachen und Spaß am Leben hat Gott sei Dank immer noch einen größeren Einfluß auf unsere Attraktivität als unser Gewicht!

PS: Die wenigsten XS-Frauen haben diese Figur, weil sie hungern. Die allermeisten haben sie, weil sie genetisch bedingt ist. Es mag sein, dass England XS-Frauen ausgegangen sind, I don´t know. Ein BreXSit sozusagen. Aber ich kann euch versichern, dass XS eine ganz normale Kleidergröße ist, die ich ganz einfach von meiner schlanken Mama geerbt habe. Ich kann Hungern nichts abgewinnen. O-Ton meine Schwester: „Ich habe durchs Fenster die Kühlschrankleuchte gesehen, da habe ich gewusst, dass DU zu Besuch bist.“

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About the Author

Mag. Christina Schmid - In Vorträgen, Kursen und Artikeln vermittle ich mein Wissen aus meiner langjährigen Erfahrung mit alternativen Heilmethoden, Coaching und meinen vielfältigen Ausbildungen. Mein Motto: "Jeder Mensch sollte die Gelegenheit haben, das Beste für sich zu tun". So versuche ich, den Menschen Zugang zu einem Wissen zu vermitteln, welches sonst ausgewählten Kreisen vorbehalten bleibt.